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Die zehn Jugendlichen und ihre Betreuer von
împreuna waren bereits mehr als 26 Stunden in viel zu engen
Kleinbussen unterwegs, als sie die letzten Kilometer nach Golowtschinzi,
einem kleinen, ursprünglich erhaltenen Dorf im Chmelnitzki-Bezirk
zurücklegten.
Die Umgebung ist von ausgedehnten Feldern geprägt - eine Erinnerung
an die Zeit, als die Ukraine noch die Kornkammer Europas gewesen
ist. Kleine Wälder und die oft weit auseinander liegenden Dörfer
mit ihren neu errichteten orthodoxen Kirchen sind meist die einzige
Abwechslung in der weiten Ebene.
Das Ziel unserer Fahrt, ein Schulinternat, mit dem der Verein seit
einiger Zeit zusammenarbeitet, liegt direkt am Südlichen Bug,
der, breit und langsam vor sich hin fließend, mit seinen schilfbewachsenen
Ufern doch ein wenig Idylle in die karge Landschaft zaubert.
Die Kinder des Internats tobten auf dem kleinen Spielplatz, als
wir in die Einfahrt einbogen. Einige lächelten erstaunt, andere
winkten etwas schüchtern, aber als die Busse hielten und wir
endlich aussteigen konnten, kamen sie doch neugierig herbeigelaufen.
Die Begrüßung war freundlich, aber da man sich noch nicht
kannte und vor allem die fremde Sprache nicht verstand, noch etwas
reserviert. Der grobe Backsteinbau, der für die nächsten
acht Tage Herberge sein sollte, verursachte natürlich bei einigen
von uns einen ersten kleinen Kulturschock. Auch die dürftig
eingerichteten Mehrbettzimmer, mit ihren durchgelegenen Stahlbetten,
wirkten nicht gerade sehr einladend. Und dies, obwohl man uns als
Gäste natürlich die besten Zimmer und den größtmöglichen
Luxus des ganzen Internats zur Verfügung stellte.
Was für uns ein Herausreißen aus dem gewohnten Komfort
und relativen Reichtum war, was für uns eine Konfrontation
mit völlig anderen, spartanischeren Lebensverhältnissen
und dabei doch nur ein vorübergehendes Erlebnis war, ist für
die sechs- bis sechzehnjährigen Internatsbewohner natürlich
Alltag. Für sie ist es normal, wenn die Räume auch in
den kalten ukrainischen Wintern nie über 12°C geheizt werden.
Wir hingegen mussten uns dick anziehen oder uns in die Schlafsäcke
verkriechen, damit wir auch nach Sonnenuntergang in unseren Zimmern
nicht froren. Die Mädchen und Jungen des Internats müssen
immer mit eiskaltem Wasser duschen und sich waschen, wir hingegen
durften die einzige warme Dusche auf dem ganzen Gelände und
wahrscheinlich in ganz Golowtschinzi benutzen - wenn auch einige
Hartgesottene unter uns das kalte Wasser bevorzugten. Ebenso war
es für die Kinder normal, lediglich sättigende Breie oder
Suppen, dazu Brot und Tee zu den Mahlzeiten zu bekommen, während
wir uns erst einmal an die meist ungewürzte, einfache und fremde
Kost gewöhnen mussten. Und oft tat es uns leid, wenn wir, denen
man stets eine Portion Fleisch, ein extra Ei, Salat oder Fisch servierte
- was für die ukrainischen Kinder etwas ganz Besonderes gewesen
wäre, all das Gebotene gar nicht aufessen konnten, sondern
halbvolle Schüsseln zurücklassen mussten.
Der Besuch einer ausländischen Jugendgruppe brachte auch Aufregendes
und Spannendes mit sich. Das Sportfest oder das Volleyballturnier,
die Abende am Lagerfeuer mit Schaschlik und Brot oder das extra
für uns einstudierte deutsch-ukrainische Kulturprogramm waren
bestimmt einmal etwas Anderes als der normale Alltag. Und mit Sicherheit
freuten sich die Kinder auch über die kleinen Naschereien,
die wir am Ostersonntag im Garten versteckt hatten, über die
fremden Lieder, die wir auf unserer mitgebrachten Gitarre spielten,
über das gelegentliche Ballspiel oder die wahrscheinlich recht
lustigen Unterhaltungen mit uns, besonders wenn wir versuchten die
paar russischen Vokabeln zu sprechen, die uns wieder eingefallen
waren oder die wir bei den Kindern aufgeschnappt hatten.
Darum fiel es uns auch nicht schwer, allmählich den anfänglichen
Kulturschock zu überwinden und uns auch bald in den kühlen
Zimmern wohl zu fühlen. Und der Abschied von Golowtschinzi
war dann auch nicht mehr so schüchtern und reserviert wie die
Begrüßung am Anfang. Und eines muss man unseren kleinen
Gastgebern lassen: sie sind auf jeden Fall die wesentlich Härteren,
da wir, kaum zurück in Deutschland, von einer heftigen Erkältung
ordentlich gebeutelt wurden ...
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