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jugendbegegnung in der ukraine 2002

Die zehn Jugendlichen und ihre Betreuer von împreuna waren bereits mehr als 26 Stunden in viel zu engen Kleinbussen unterwegs, als sie die letzten Kilometer nach Golowtschinzi, einem kleinen, ursprünglich erhaltenen Dorf im Chmelnitzki-Bezirk zurücklegten.

Die Umgebung ist von ausgedehnten Feldern geprägt - eine Erinnerung an die Zeit, als die Ukraine noch die Kornkammer Europas gewesen ist. Kleine Wälder und die oft weit auseinander liegenden Dörfer mit ihren neu errichteten orthodoxen Kirchen sind meist die einzige Abwechslung in der weiten Ebene.

Das Ziel unserer Fahrt, ein Schulinternat, mit dem der Verein seit einiger Zeit zusammenarbeitet, liegt direkt am Südlichen Bug, der, breit und langsam vor sich hin fließend, mit seinen schilfbewachsenen Ufern doch ein wenig Idylle in die karge Landschaft zaubert.

Die Kinder des Internats tobten auf dem kleinen Spielplatz, als wir in die Einfahrt einbogen. Einige lächelten erstaunt, andere winkten etwas schüchtern, aber als die Busse hielten und wir endlich aussteigen konnten, kamen sie doch neugierig herbeigelaufen. Die Begrüßung war freundlich, aber da man sich noch nicht kannte und vor allem die fremde Sprache nicht verstand, noch etwas reserviert. Der grobe Backsteinbau, der für die nächsten acht Tage Herberge sein sollte, verursachte natürlich bei einigen von uns einen ersten kleinen Kulturschock. Auch die dürftig eingerichteten Mehrbettzimmer, mit ihren durchgelegenen Stahlbetten, wirkten nicht gerade sehr einladend. Und dies, obwohl man uns als Gäste natürlich die besten Zimmer und den größtmöglichen Luxus des ganzen Internats zur Verfügung stellte.

Was für uns ein Herausreißen aus dem gewohnten Komfort und relativen Reichtum war, was für uns eine Konfrontation mit völlig anderen, spartanischeren Lebensverhältnissen und dabei doch nur ein vorübergehendes Erlebnis war, ist für die sechs- bis sechzehnjährigen Internatsbewohner natürlich Alltag. Für sie ist es normal, wenn die Räume auch in den kalten ukrainischen Wintern nie über 12°C geheizt werden. Wir hingegen mussten uns dick anziehen oder uns in die Schlafsäcke verkriechen, damit wir auch nach Sonnenuntergang in unseren Zimmern nicht froren. Die Mädchen und Jungen des Internats müssen immer mit eiskaltem Wasser duschen und sich waschen, wir hingegen durften die einzige warme Dusche auf dem ganzen Gelände und wahrscheinlich in ganz Golowtschinzi benutzen - wenn auch einige Hartgesottene unter uns das kalte Wasser bevorzugten. Ebenso war es für die Kinder normal, lediglich sättigende Breie oder Suppen, dazu Brot und Tee zu den Mahlzeiten zu bekommen, während wir uns erst einmal an die meist ungewürzte, einfache und fremde Kost gewöhnen mussten. Und oft tat es uns leid, wenn wir, denen man stets eine Portion Fleisch, ein extra Ei, Salat oder Fisch servierte - was für die ukrainischen Kinder etwas ganz Besonderes gewesen wäre, all das Gebotene gar nicht aufessen konnten, sondern halbvolle Schüsseln zurücklassen mussten.

Der Besuch einer ausländischen Jugendgruppe brachte auch Aufregendes und Spannendes mit sich. Das Sportfest oder das Volleyballturnier, die Abende am Lagerfeuer mit Schaschlik und Brot oder das extra für uns einstudierte deutsch-ukrainische Kulturprogramm waren bestimmt einmal etwas Anderes als der normale Alltag. Und mit Sicherheit freuten sich die Kinder auch über die kleinen Naschereien, die wir am Ostersonntag im Garten versteckt hatten, über die fremden Lieder, die wir auf unserer mitgebrachten Gitarre spielten, über das gelegentliche Ballspiel oder die wahrscheinlich recht lustigen Unterhaltungen mit uns, besonders wenn wir versuchten die paar russischen Vokabeln zu sprechen, die uns wieder eingefallen waren oder die wir bei den Kindern aufgeschnappt hatten.

Darum fiel es uns auch nicht schwer, allmählich den anfänglichen Kulturschock zu überwinden und uns auch bald in den kühlen Zimmern wohl zu fühlen. Und der Abschied von Golowtschinzi war dann auch nicht mehr so schüchtern und reserviert wie die Begrüßung am Anfang. Und eines muss man unseren kleinen Gastgebern lassen: sie sind auf jeden Fall die wesentlich Härteren, da wir, kaum zurück in Deutschland, von einer heftigen Erkältung ordentlich gebeutelt wurden ...