Ukrainefahrt Oktober 2012

Unsere letzte Fahrt im Herbst 2012 war eine ganz besondere Fahrt. Zum ersten Mal seit über 10 Jahren standen wir in „unserem“ Kinderheim in Golowtschinzi vor verschlossenen Türen. Wir erfuhren noch in Deutschland, dass das Kinderheim geschlossen werden wird, machten uns allerdings, wie geplant, auf die Reise. Denn eines stand für uns fest – Wir wollen weiter Kinder und Jugendliche in der Ukraine unterstützen!

Zuerst fuhren wir nach Wowkowinzi in ein Kinderheim, in das viele Kinder aus Golowtschinzi, die noch zu jung für eine berufliche Ausbildung waren, hinkamen. Dort wurden wir von den Kindern herzlich empfangen. Wir verbrachten viel Zeit mit ihnen: bauten eine Hüpfburg auf, spielten Tischtennis, verteilten Fotoalben und waren Gäste in den, für ukrainische Verhältnisse schon fast luxuriös ausgestatteten, Zimmern der Kinder.

Ein weiteres Heim, welches wir besuchten, lag ca. eine Autofahrstunde von Chmelnizkij entfernt, in dem abgeschiedenen Dorf Golenyschtsche. Bevor wir ankamen, wussten wir nicht, dass dort ausschließlich Kinder und Jugendliche mit Behinderung lebten. Diese Tatsache stellt für uns jedoch eher eine neue Herausforderung als ein Hemmnis dar. Je länger wir uns dort aufhielten, desto mehr spürten wir eine Wärme, mit der die Erzieher und Angestellten dort ihr Bestmögliches gaben, um das Wohlsein der Kinder herzustellen und zu sichern. Auch empfanden wir großes Interesse und Entgegenkommen der Heimleitung bei unserem Besuch.

Zurück in Chmelnizkij, der Gebietshauptstadt, unternahmen wir viel mit den „ehemaligen“ Heimkindern aus Golowtschinzi, die mittlerweile eine Ausbildung in der Stadt angefangen hatten. Unsere Dolmetscherin Lena arbeitet mit ihrem Verein „Kinderarche Ukraine“ mit vielen von ihnen zusammen. Wir gingen Schlittschuhlaufen, ins Restaurant, spielten Tischtennis, Fußball oder Karten, grillten, ließen uns zur Karaoke überreden oder verbrachten einfach Zeit mit ihnen. Auch die Kleiderspenden wurden wieder dankend angenommen. Zu unserem offiziellen Ehemaligentreffen erfuhren wir, wie sich die aktuelle Situation bei den Jugendlichen gestaltet. Alle Jugendlichen sind zurzeit in der Ausbildung oder arbeiten. Das hat uns sehr erfreut. Unglücklicherweise lernen die Meisten allerdings etwas, wofür sie sich nicht im Ansatz interessieren.

Neben der Suche nach einem neuen Heim, standen ebenso Einzelfallhilfen junger Familien auf unserem Plan. Unter anderem besuchten wir die ehemaligen Heimkinder Anja, Julia und Oxana, die mittlerweile ihre eigenen Familien gegründet und bereits Kinder haben. Ihnen konnten wir mit Arzneien und einigen Spenden (Kleiderspenden, Spielzeug, Pfannen, usw.) eine Freude bereiten. Außerdem besuchten wir zwei Jungs im Krankenhaus. Unser Pascha, der an Tuberkulose erkrankte, schien glücklicherweise trotz allem ziemlich fit und war begeistert über unsere Stippvisite. Auch Wowa war sehr glücklich über unseren Besuch. Er stand in seinem Leben schon mehrere Schicksalsschläge durch und beeindruckt uns daher zutiefst mit seinem Lebenswillen und Optimismus. Er leidet seit Jahren an einem Nierenschaden und etlichen Nebenwirkungen seiner Medikamente. In der Ukraine läuft das Krankensystem leider nach dem Motto: entweder du hast Geld und kannst dir eine Behandlung leisten oder eben nicht. An dieser Stelle versuchen wir auch mit der Hilfe unserer Dolmetscherin in Krankenhäusern notwendige Behandlungen für diese Jugendlichen zu ermöglichen. Mit Erfolg erlangten mittlerweile ca. 15 Kinder, durch Untersuchungen ihrer Augen und den Erwerb von Brillen, ein Plus an Lebensqualität.

Für unsere nächste Fahrt im Mai 2013 ist geplant, das Kinderheim, in dem die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung leben, noch einmal für eine längere Zeit zu besuchen. Dort wollen wir auch das Klettergerüst, welches wir in Golowtschinzi wieder abgebaut hatten, neu aufbauen. Neben unserem pädagogischen Anliegen streben wir wie immer an, den Kindern und Jugendlichen in mehreren Bereichen wie im medizinischen oder organisatorischen bzw. bürokratischen Bereich weiterzuhelfen. Dazu arbeiten wir mit unserer Dolmetscherin und vielen Ehrenamtlichen vor Ort zusammen, die sich für das Projekt „Kinderarche Ukraine“ engagieren.

Vielen Dank an dieser Stelle allen Spendern, Unterstützern und fleißigen Helferinnen, die uns tatkräftig unterstützten und diese humanitäre Hilfe ermöglichen!